Reederei Norden-Frisia, Volkswagen Emden, Hochschule Osnabrück und Deutsche Bundesstiftung Umwelt nehmen den ersten Prototyp der neu entwickelten Ladesäule in Betrieb.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hat am 11.08. den ersten Prototyp einer Ladesäule für das sogenannte bidirektionale Laden offiziell in Betrieb genommen. Parkende Elektroautos werden damit zu Stromspeichern, die den vollelektrischen Katamaran Frisia E-1 -das erste elektrisch betriebene Seeschiff unter deutscher Flagge- mit Energie versorgen. Das Volkswagen Werk Emden hat für die Erprobung des Forschungsprojekts ein Elektrofahrzeug des Modells ID.7 zur Verfügung gestellt, das bereits über die notwendigen technischen Voraussetzungen verfügt.
Bereits 2025 hat die Reederei Norden-Frisia den Elektrokatamaran Frisia E-1 in den Dienst gestellt. Der E-Kat wird mit einem möglichst hohen Anteil an von der Reederei selbst erzeugten, erneuerbaren Energien betrieben. Um diesen Anteil weiter zu erhöhen, ist im September 2025 gemeinsam mit der Hochschule Osnabrück das Forschungsprojekt gestartet. Technischer Ansatz ist ein sogenanntes Vehicle-to-Grid-System (V2G). Dabei werden die Batterien der Autos, welche die Ladestationen auf den Parkplätzen der Frisia nutzen, als Zwischenspeicher in die Beladung des E-Kats eingebunden.
Gemeinsam mit Ministerpräsident Olaf Lies gaben Umweltminister Christian Meyer, der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Alexander Bonde, der Leiter des Volkswagen Werks Emden, Enno Fehse, Frisia-Vorstand Carl-Ulfert Stegmann sowie Prof. Dr.-Ing. Hans-Jürgen Pfisterer von der Hochschule Osnabrück den Startschuss für den Praxisbetrieb.
„Was hier in Norddeich entsteht, ist Energiewende zum Anfassen“, sagt Ministerpräsident Olaf Lies. „Eine elektrische Seefähre, die mit Strom aus parkenden Elektroautos aus Emder Produktion versorgt wird, zeigt ganz konkret, wie die Zukunft von Mobilität und Energie aussehen kann. Hier wird Zukunft nicht diskutiert, sondern gemeinsam von Wissenschaft und Wirtschaft praktisch erprobt. Dieses Projekt zeigt, welche Innovationskraft in Niedersachsen steckt und was möglich ist, wenn Forschung und Unternehmen an einem Strang ziehen.“ Die Kooperation zwischen der Reederei Norden-Frisia und der Hochschule Osnabrück, die Unterstützung vom Volkswagen Werk Emden sowie die Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt seien gute Voraussetzungen für den Erfolg des Projekts.
Umweltminister Christian Meyer hob die Bedeutung für den Klimaschutz hervor. „Direkt am Weltnaturerbe Wattenmeer entsteht ein geschlossener Kreislauf aus Sonnenstrom, Elektroautos und emissionsfreier Schifffahrt. Dieses Projekt ist beispielgebend für den Weg in eine dekarbonisierte Mobilität. Es entlastet die Stromnetze, spart CO² und beweist, dass Klimaschutz und starke regionale Wirtschaft keine Gegensätze sind“, so Meyer.
Das Erprobungsfahrzeug, ein ID.7 mit der Aufschrift „from Emden with Love“, wurde im Volkswagen Werk Emden gefertigt und mit einer speziellen Software ausgestattet, die das bidirektionale Laden ermöglicht. Das Auto kann Strom nicht nur aufnehmen, sondern auch wieder abgeben – beispielsweise an das Ladesystem des E-Katamarans. „Der ID.7 wird nur wenige Kilometer von hier gebaut – und heute zeigt er, dass er mehr kann, als Menschen zu bewegen. Er ist ein rollender Energiespeicher“, sagt Werkleiter Enno Fehse. „Dass die Zukunft des bidirektionalen Ladens vor unserer Haustür erprobt wird, macht die Emder Mannschaft stolz. Elektromobilität made in Ostfriesland – das ist unser Anspruch.“
Die Reederei hat am Norddeicher Hafen bereits 242 solarüberdachte Stellplätze mit Ladepunkten errichtet; der Ausbau auf 600 ist geplant. Rund 60 Prozent des Fahrstroms des E-Kats sollen aus selbst erzeugtem Solarstrom stammen. „Unser Ziel ist die CO²-freie Inselversorgung. Dass wir dafür heute den Ministerpräsidenten, den Umweltminister, die DBU, Volkswagen und die Wissenschaft an einem Tisch -und einer Ladesäule- haben, zeigt, welche Strahlkraft dieses Projekt inzwischen hat“ sagt Frisia-Vorstand Carl-Ulfert Stegmann.
Die wissenschaftliche Begleitung liegt bei der Hochschule Osnabrück, die 2012 die weltweit ersten bidirektionalen CCS-Schnelladesäulen gebaut hat und diese Technologie bis heute als führender Innovator weiterentwickelt. „Beim bidirektionalen Laden machen wir aus vielen einzelnen Fahrzeugbatterien ein virtuelles Kraftwerk“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Hans-Jürgen Pfisterer. „Der vor Ort erzeugte Solarstrom wird besser ausgenutzt, das öffentliche Netz entlastet und die Batterien der Gästefahrzeuge werden dabei ausgesprochen schonend betrieben. Technisch ist das sehr anspruchsvoll – und genau deshalb ist dieser Standort ein Glücksfall für die angewandte Forschung“.
Untersucht wird im gemeinsamen Projekt auch durch Prof. Dr. Kai-Michael Griese von der Hochschule Osnabrück, welche Anreize Urlaubsgäste erhalten sollen, die ihr Fahrzeug während des Inselaufenthaltes als Speicher zur Verfügung stellen – von Ladeguthaben bis zu vergünstigten Überfahrten.